Lutherhaus: Musikverein-Stadtkapelle wartet bei seinem 34. Frühjahrskonzert mit einem breiten und anspruchsvollen Repertoire auf.

Eine musikalische Entdeckungsreise


Noch nicht lange hat Dirigent Michael Ruf bei der Stadtkapelle das Sagen, aber mit dem Frühjahrskonzert feierte er einen erfolgreichen Einstand.

Eine tiefe Verbeugung vor Schwetzingen machte die Stadtkapelle in allen Programmpunkten ihres Frühjahrskonzertes im Lutherhaus. Der seit Januar amtierende Dirigent Michael Ruf, der binnen zehn Wochen intensiven Probens das Ensemble in Hochform gebracht hat, machte damit deutlich, wie verbunden er sich mit der Stadt als "Neu-Schwetzinger" fühlt.

Was er auf seinen Rundgängen für sich entdeckte, das hatte Bezug zu den Titeln der "Reverenz an Schwetzingen", wie das Programm überschrieben war. Bevor Ruf zum Dirigentenstab greifen konnte, begrüßte der Vorsitzende des Musikvereins, Reiner Vierling, die Gäste im ausverkauften Lutherhaus.

 

Auftakt mit "Badens Stern"
 

Der Dirigent moderierte das Konzert und wusste zu jedem Titel eine Geschichte auf unterhaltsame Weise zu erzählen. Den schwungvollen Auftakt bildete der Konzertmarsch "Badens Stern", eine Komposition anlässlich des 50-jährigen Regentschaftsantritts von Großherzogs Friedrich I. von Baden. Als Referenz an die Götterstatuen im Schlossgarten war es die Ouvertüre zur "Schönen Helena" von Jacques Offenbach, die Ruf mit der Beschreibung von Offenbachs Lebenslauf ankündigte. Als Alternative zur "Moschee" im Garten wurde das Publikum in einen "Tempelgarten" im "Reich der Mitte" entführt. Eine sinfonische Widmung an William Peper enthielt die "Arabesque" von David Shaffer. Der jüdischen Bevölkerung in Schwetzingen widmete das Orchester den Titel "Hava Nagila". Temperamentvoll ging es in die Pause.

Bereits nach der ersten Konzerthälfte wurde klar, dass der Verein mit Michael Ruf als neuen Dirigenten eine großartige Wahl getroffen hatte. Die exzellenten Musiker, die in die Vorbereitung des Konzerts viel Zeit und Energie investiert hatten, entlockte er fesselnde harmonische Klangbilder.

Junge Bläser gesucht

Mit der "Crazy Bläser Companie" stellte sich der Nachwuchs unter der Leitung von Sylvia Treiber vor. Seit drei Jahren betreibt die Stadtkapelle intensive Jugendarbeit und - wie Treiber anmerkte - könne man noch Nachwuchs für Trompete, Horn und Posaune gut gebrauchen. Ein beachtenswertes Zeugnis dieser erfolgreichen Arbeit legten die sieben Musiker ab.

Mit einer speziellen Bläserkomposition meldete sich dann das "große" Orchester zurück. Dass es in den 20er Jahren zwei Kinos in der Spargelstadt gab, daran wurde mit dem Medley "Goldene Tonfilmschlager" erinnert. Dabei wurden Erinnerungen an Ilse Werner und Zarah Leander wach. Sie drehten eine Reihe Musikfilme, die Cineasten "Durchhaltefilme" nennen. In ihren Texten war häufig etwas eindeutig Zweideutiges in Bezug auf politische Gegebenheiten herauszuhören. Auch mit dem Titel "Tara's Theme" aus "Vom Winde verweht" blieb die Kapelle beim Film. Wie Ruf dazu erklärte, durfte dieser Film erst 1953 in die deutschen Kinos kommen. Denn er war der damaligen Regierung einfach zu perfekt und hätte die Mängel der deutschen Filmindustrie zutage gebracht. Großartige Regisseure und Filmschaffende musste in dieser Zeit in die USA emigrieren wie Billy Wilder oder Ernst Lubitsch.

Udo Jürgens Tribut gezollt

Mit einem Medley der bekanntesten Lieder von Udo Jürgens erinnerte das Ensemble an den jüngst verstorbenen Sänger. Die Titel gingen nicht nur leicht ins Ohr, sondern zeigten wie in "Griechischer Wein" oder "Ein ehrenwertes Haus" Zeitkritisches auf. In den Arrangements von Hans-Joachim Rhinow vollendete das Volkslied-Potpourri den Abend. Die zum Mitsingen animierenden Titel brachten die Stimmung im Saal zu ihrem Höhepunkt.

So in gute Laune versetzt, durfte als Zugabe das "Badner Lied" natürlich nicht fehlen, das kräftig gesungen wurde. Letztendlich riefen jedoch nicht nur die schwungvoll-leichten Melodien die Begeisterung hervor. Die Stadtkapelle lieferte einfach rundum hervorragende musikalische Darbietungen ab.

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 24.03.2015

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